Pfarrgemeinde Gröbenzell - St. Johann Baptist
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Wir beten an, Dich wahres Himmelsbrot

Ausgesetzt

Ausgesetzt - ein vieldeutiges Wort. Ich kann mich der Gefahr aussetzen oder dem Gespött. Ich kann eine Katze aussetzen oder einen Preis. Ich kann den Aussätzigen meiden oder ihn berühren.
In der Liturgie unserer Kirche hat das Wort noch einen anderen Sinn: Das Allerheiligste wird zur Anbetung ausgesetzt - die konsekrierte Hostie in der goldenen Monstranz, das "eucharistische Antlitz Christi", wie es Johannes Paul II nennt, die "Medizin der Unsterblichkeit, das Gegengift gegen den Tod", das Ignatius von Antiochien im Zweiten Jahrhundert beschwor.
Denn das ist bis heute der Kern des katholischen Glaubens: Dass der Herr in diesem Stück Brot gegenwärtig ist, nicht als verdichtetes Zeichen seines letzten Gastmahls, sondern wirklich und wahrhaftig.

Um diesen Glauben hat sich im Westen eine eigene Sakramentsfrömmigkeit entwickelt, wie es sie nicht einmal in der Orthodoxie gibt. Alle Sinne sind in der Verehrung des Sakraments angesprochen: Im funkelnden Gold und Silber des Tabernakels, im brennenden Öllicht davor, im Flackern der Kerzen, im Weihrauch, der den feierlichen Segen mit der Monstranz begleitet, im Gesang und in der Kniebeuge.

In der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia (17. April 2003) sagt Johannes Paul II: "Der Kult, welcher der Eucharistie außerhalb der Messe erwiesen wird, hat einen unschätzbaren Wert im Leben der Kirche. Dieser Kult ist eng mit der Feier des eucharistischen Opfers verbunden."

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Seit der Altarweihe in unserer Pfarrkirche im Advent 2006 wird an jedem Donnerstag um 19:00 Uhr das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt. In dieser Zeit wird in besonderer Weise um geistliche Berufungen gebetet. Der Arbeitskreis Spiritualität unseres Pfarrgemeinderates zeichnet für die inhaltliche Gestaltung der Anbetungszeit verantwortlich.

Gerade die Schlichtheit unseres neugestalteten Altarraumes verleiht der Anbetung jene Atmosphäre in der es möglich wird sich ganz der Gegenwart des Herrn zu widmen. Am Tag der Spiritualität in der Woche der Begegnung nach der Altarweihe konnte man es spüren. Lichtdurchflutet wirkte die Monstranz ganz tief in die Herzen der Betenden.

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"Es ist schön, bei ihm zu verweilen und wie der Lieblingsjünger, der sich an seine Brust lehnte, von der unendlichen Liebe seines Herzens berührt zu werden. Wenn sich das Christentum in unserer Zeit vor allem durch die 'Kunst des Gebetes' auszeichnen soll, wie könnte man dann nicht ein erneuertes Verlangen spüren, lange im geistlichen Zwiegespräch, in stiller Anbetung, in einer Haltung der Liebe bei Christus zu verweilen, der im Allerheiligsten gegenwärtig ist?" (Johannes Paul II, Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, April 2003)